Von Kreativität, Ideen und dem „Klunkaro“ – ein Interview

Ein Interview/Beitrag von Sara Bonetti (dieLauserin) / erschienen am 18. Oktober 2015 in der NEUE am Sonntag. Das Telefon klingelt, Simone Angerer nimmt den Anruf an, und schon ist zu hören: „Tuat mor leid, i ka hüt nüd, i moas klunkaro.“ Das sagt die 27-Jährige zu ihrer Freundin. Ein kurzes „Pfüate“, schon hat sie aufgelegt. „Klunkaro“, ein liebevoller Begriff, den Freunde für die Designerin geprägt haben. Dieser leitet sich vom Namen ihres Schmucklabels „Klunkar“ ab und umschreibt vom Designen bis zum Verkaufen alles, was mit dem Schmuckhandwerk zusammen-hängt.

Wenn die Bizauerin  „klunkaro“ geht, bedeutet dies nichts anderes, als dass es sie an die Arbeit in ihre Schmuckwerkstatt zieht. Kein Feierabendbier der Welt könnte Angerer jetzt noch umstimmen. Zielstrebig steigt die junge Frau die Treppe von der ersten Etage ihres Elternhauses hinunter ins Erdgeschoss und steuert geradewegs auf eine schwere Holztüre zu. Dahinter liegt ihr Reich, ein ehemaliges Wohnzimmer, in dem sie sich mit Werkstatt und Schaustube des Labels eingenistet hat. Ein Kachelofen und der schwere Holztisch erinnern noch an frühere Zeiten. Seit jedoch der Raum zum Klunkar-Reich erklärt wurde, geht es deutlich bunter zu. Bis in den letzten Winkel hat sich die Designerin mit ihrem Handwerksunternehmen ausgebreitet. Auf Fensterbrettern und Flächen warten fertige Stücke auf Käufer, Flyer und Werbematerial stecken in einem Ständer zur freien Entnahme.

Volle Konzentration

In einer Ecke steht ein älterer Tisch, an dem die 27-Jährige zwischenzeitlich Platz genommen hat. Mit voller Konzentration sitzt sie da,  über ein Meer aus Perlen, Schnüren, feinen Drähten und Werkzeugen gebeugt. Mit feinen Bewegungen ordnen ihre Finger Perle um Perle in die vorgesehene Reihenfolge, bevor diese auf feine Schnüre aufgefädelt werden. Die Zeit vergeht für die Designerin wie im Flug, während sie damit beschäftigt ist, Armbändchen um Armbändchen fertigzustellen. Was für Außenstehende nach aufwendiger Kleinstarbeit aussieht, ist für die Schmuckdesignerin untrennbar mit Spaß und Leidenschaft verknüpft.

Kreativität ausleben

Für die junge Wälderin war schon immer klar, dass sie ihr Leben mit Kreativität ausfüllen wollte. Trotzdem sollten einige Jahre vergehen, bis sie mit Klunkar das fand, was sie suchte. Mit Abschluss der Pflichschulzeit ging sie aktiv auf die Suche nach einer entsprechenden Möglichkeit. Voll Hoffnung, eine Schule mit kreativem Schwerpunkt entdeckt zu haben, besuchte Angerer zunächst die HTL Rankweil mit dem Schwerpunkt Hochbau. Mit Bedauern stellte sie fest, dass dies definitv nicht das Richtige für sie war. Sie wechselte in den Beruf der Onlineredakteurin und blieb dabei, bis sie eine Ausbildung zur Grafidesignerin begann. Die einzig richtige Entscheidung, wie sie heute weiß. „Das Spiel aus Farben und die Kunst der Typografie faszinieren mich“, erzählt die Bizauerin und schwärmt: „Das inspiriert mich dazu, Ideen entstehen, wachsen und reifen zu lassen.“

Suche nach Neuem

Trotz des kreativen Berufes blieb ihre Neugier auf künstlerisches Wirken ungestillt. Sie suchte weiter. Als die junge Frau das erste Mal mit Polymer Clay (eine Knetmasse, die beim Backen aushärtet) in Berührung kam, faszinierten sie die Gestaltungsmöglichkeiten dieses Materials. Wie von selbst fanden die Hände der jungen Frau ihren Weg auf der weichen Masse, kneteten in Form, bis sie mit dem Ergebnis, einem kleinen Erdbeeranhänger, zufrieden war.

Ohne sich dessen bewusst zu sein, hatte Angerer so das erste Schmuckstück ihres künftigen Labels kreiert. Denn der fertige Anhänger weckte in ihr die Lust auf mehr. Sie begann sich an der Technik auszuprobieren, ließ ihrem Gefühl für Farben und Form freien Lauf.

„Alles darf und nichts muss bei meiner Arbeit“, beschreibt die Designerin heute ihr Tun. „Denn ich setze mich in meiner Kreativität weder unter Druck noch zwinge ich mich,  irgendwelche unauthentischen Formen zu schaffen.“ So folgten auf die Erdbeere viele weitere Stücke im Pop-Art-Stil nach. Dazu gehörten Minidonuts mit pinken Streuseln als Ohrstecker, schwarze Fliegenpilze mit grüner Kappe und weißen Tupfen als Ringe oder brauntürkise Cupcakes als Anhänger für Ketten. Mit jedem Schmuckstück gewann Angerers Leidenschaft an Fahrt. Sie produzierte um des Tuns willen, und das in einem Umfang, der sie vor eine Herausforderung der ganz anderen Art stellte: „Ich wusste irgendwann nicht mehr, wohin mit meinem Schmuck. Freunde und Familie waren bereits ausgestattet, also mussten andere Optionen geprüft werden.“ Die Lösung: das eigene Schmucklabel professionell auf den Weg bringen.

Label-Gründung

Unter dem Namen Klunkar gründete Angerer so im April 2010 ihr kleines Schmucklabel. Bist heute ist ihre Liebe zum Design unverändert, nur das Sortiment, ihrer Fähigkeiten und ihr Erfahrungsschatz haben sich weiterentwickelt. Inspiration für neue Kreationen findet sie übeall. „Entscheidend ist nur, dass ich etwas von mir selbst darin wiederfinde, damit mein innerer Kreativprozess ins Rollen gerät“, erklärt die Wälderin. „Gleich, was mir zwischen die Finger kommt, ich will es erforschen, erleben, erfahren und natürlich ein Stück von mir selbst einflißen lassen.“

Im Oktober 2012 entdeckte sie das Stricken für sich. Skepsis und ein wenig Nadelklappern endeten für sie im Einkauf von Bergen aus hochwertiger Merino-Wolle und Stricknadeln. Das Ergebnis ist die Kollektion „Warme Ohren“,  die sich aus Stirnbändern und Wollmützen zusammensetzt. Mit kleinen Knöpfen, selbst geformten Herzchen, Lederlabels und sonstigen Details veredelt Angerer die Strickwaren mit verspielter Klunkar-Signatur. Im Frühjahr 2013 tauschte die Designerin die Stricknadeln gegen die Häkelnadel. Der Fokus lag nun auf schweren Kragenketten und Armbändern in Pastelltönen.

Unterdessen hielten ebenso Wörter und Wortspielereien Einzug in das Schaffen der jungen Frau. Zu Beginn gestaltete sie Postkarten und Kalender. Im Sommer 2015 folgte die Armbandlinie „Typo Armcandy“. Das Konzept dieser Kollektion ist im Grunde sehr einfach. Kleine Perlen mit Buchstaben, zusammengestellt und aufgefädelt auf zwei dünnen Armbädern ergeben „Typo Armcandy“ bei Klunkar. Aus den Buchstaben formt Angerer Wortkombinationen wie „Live Dreams“ oder „Be Strong“ und kreiert damit Inhalte und kleine Weisheiten zum Anziehen.

Auftragsarbeiten

Zwischendrin fertigt sie Auftragsarbeiten, kleine Spielereien wie Kuscheltiere oder diverse Schmuckstücke an. Ein klares Konzept gibt es etwa auch für die Kollektion „Klunkar GESTEIN mit Bergkind“. Dafür arbeitet sie in Kooperation mit ihrer Freundin Sabine Schwald (25). Aus Halbedelsteinen und Edelsteinen fertigen die beiden verschiedenste Schmuckstücke und versuchen, darin Mode, Moderne und Heimat zu verbinden. Das Ergebnis sind, wie bei allem aus dem Klunkar-Sortiment, Kleinigkeiten mit ganz besonderen Eigenheiten. „Ich produziere und verkaufe kleine, aber schöne Dinge des Lebens. Ich mag die Idee, in meiner Werkstatt Luxusartikel herzustellen, die eigentlich keiner braucht und trotzdem viel Freude bereiten“, erzählt Angerer mit einem Lächeln. Stolz auf das Erreichte und gleichzeitig wohlwissend, dass die Freude an ihrer Arbeit sie weiter vorwärts bringen wird.

 

=> Geschichte als PDF zum Nachlesen <=

 

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